California 2000
Nils und Matthias im Grand Canyon
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Death Valley
Donnerstag, 17.08.2000

Dies ist der Tag der Kontraste: Von Las Vegas wollen wir durch den Death Valley National Park fahren, dann durch den südlichen Zipfel des Sequoia National Forest nach Visalia - eine Strecke von rund 500 Meilen (ca. 800 km). Wir verlassen Las Vegas über den I-95 nach Norden, biegen in Amargosa Valley auf den State Highway 373 ab und nehmen bei Death Valley Junction den Highway 190, der quer durch den Nationalpark führt.

Schon den ganzen Weg von Las Vegas her ist die Landschaft karg und öde, rechts und links der Straße sehen wir das gewohnte Bild der mit Strauchwerk übersäten Geröllebenen. Mit der Einfahrt ins Death Valley wird die Landschaft dann absolut wüstenhaft: Wir fahren zwischen blanken Felsen und staubigen Ebenen her, die in grellen Gelb-, Ocker- und Brauntönen leuchten. Um den Motor nicht zu überhitzen, lassen wir den Wagen einfach rollen - rund 20 km vom Eingangspass bis ins Tal hinein. Am Zabriskie Point haben wir einen grandiosen Weitblick über die von zerklüfteten Berghängen eingefasste Ebene, über der die heiße Luft flimmert. Eine Marslandschaft, die durch die intensiven Farben und die fehlende Vegetation völlig unwirklich aussieht - Schatten scheint es hier überhaupt nicht zu geben.

Blick vom Zabriskie Point Blick vom Zabriskie Point Blick vom Zabriskie Point

Bei einer Temperatur von 48 C haben wir den Eindruck, dass uns mit jedem Luftzug ein heißer Fön ins Gesicht bläst, und durch die Schuhsohlen macht sich die Hitze des Erdbodens deutlich bemerkbar. Lange halten wir es nicht in der Sonne aus - im Auto dagegen ist es wenigstens schattig, auch wenn die Air Condition nicht wirklich gegen die Hitze ankommt.

Badwater "Im Tal des Todes" Bei Furnace Creek biegen wir nach Süden auf eine Nebenstraße Richtung Badwater ab. Die Straße verläuft mit leichtem Gefälle fast schnurgerade am Rand einer riesigen, schmutzig-weiß leuchtenden Salzpfanne entlang. Auf kurzen Abstechern besuchen wir den Golden Canyon, einen schmalen Pfad zwischen grau-gelben Felswänden hindurch, den fast unmöglich geformten Mushroom Rock sowie eine tunnelartige Naturbrücke zwischen den Felsen. Die Einbahnstraße "Artist's Drive" fahren wir nicht entlang, da wir nicht wissen, wo wir herauskommen werden (auf einer anderen Karte sehen wir später, dass sie am Mushroom Rock wieder auf die Hauptstraße stößt). Schließlich erreichen wir Badwater - mit 280 Fuß bzw. 85 Meter unter dem Meeresspiegel ist dies der tiefste Punkt der nördlichen Erdhalbkugel. An einer Felsklippe hoch über uns ist die Markierung "Sea Level" angebracht, vor uns liegt eine kleine Pfütze, in der Salzkristalle stehen, dahinter erstreckt sich die sonnendurchglühte Salzpfanne bis zur dunstverhangenen Bergkette auf der Westseite des Tals. Leider wuseln überall (zumeist deutsche) Touristen herum, sodass wir uns schnell wieder auf den Rückweg nach Furnace Creek machen.

Naturbrücke Mushroom Rock Mesquite Flat Sand Dunes

Blick vom Towne Pass Vom Towne Pass nach Panamint Springs Furnace Creek ist eine der wenigen Oasen im Death Valley - hier stehen sogar einige Palmen. Wir fahren auf dem Highway 190 weiter in nordwestlicher Richtung. Bei Stovepipe Wells wird die "Landschaft" sandiger. Die Strauchbüschel auf dem gelben Sand haben der Ebene den Namen "Devils Cornfield" eingebracht, etwa einen Kilometer von der Straße entfernt verläuft der Dünenzug der Mesquite Flat Sand Dunes. Richtung Emigrant steigt die Straße zur Passhöhe an - hier empfiehlt es sich, auf die Klimaanlage zu verzichten, will man nicht mit dampfendem Kühler am Straßenrand liegenbleiben. Nicht ohne Grund sind Tanks zum Nachfüllen von Kühlwasser über die ganze Strecke verteilt. Wir überfahren den Towne Pass in 4956 Fuß (1511 m) Höhe ohne Zwischenfälle. Von dort fahren wir über Panamint Springs am Owens Lake vorbei bis Olancha, wo wir wieder auf den U.S. Highway 395 stoßen.

Windhose am Owens Lake Sierra Nevada Am Owens Lake sehen wir wieder eine große Windhose - der vom Boden bis in den Himmel reichende "Schlauch" aus aufgewirbeltem Staub gibt ein gutes Fotomotiv vor See und Berggipfeln im Hintergrund ab. Die 395 führt uns in südlicher Richtung zwischen den Bergen der Sierra Nevada auf der rechten und dem Indian Wells Valley auf der linken Seite bis zum Abzweig auf den State Highway 178 kurz nach Inyokern. Hinter dem Walker Pass ändert sich das Landschaftsbild dann völlig: Wir durchfahren die waldbedeckten Hänge im Südzipfel des Sequioa National Forest. Nach den langen Fahrten durch die Einöde in den letzten Tagen und der heutigen Tour durch das Death Valley wirkt das satte Grün der Bäume und Wiesen, dazwischen die Wasserfläche des Isabella Reservoir, wohltuend und erfrischend.

Große Kakteen am Straßenrand Fluss im Canyon Nach Miracle Hot Springs erwartet uns dann die größte Überraschung des Tages: Während die Straße 170 entlang eines kleinen Flusses entlangläuft, rücken die Hänge rechts und links immer näher zusammen, bis wir durch einen engen Canyon mit steil aufragenden Felswänden fahren, die in der Nachmittagssonne gelb-orange leuchten. Der gerade noch neben der Straße herlaufende Fluss liegt nun einige Dutzend Meter unter uns, und über uns reichen die Felswände einige hundert Meter hoch. Weder Fluss noch Canyon sind auf unserer Karte besonders gekennzeichnet, trotzdem ist diese Scenic Route ein echtes Highlight.

Kurz vor Bakersfield öffnet sich der Canyon schlagartig und gibt den Blick auf eine weite Ebene frei. Auf den Feldern rechts und links der Straße werden Zitrusfrüchte angebaut - welche, können wir nicht genau erkennen. Bis Visalia, wo wir das Holiday Inn Plaza Park ansteuern, ändert sich diese Landschaft nicht mehr.

Als wir das Hotel betreten, ist die erste Überraschung die Gestaltung der Lobby: Eine große Halle mit künstlicher Felslandschaft, Swimming-Pool in der Mitte und Restaurant am Rand. Die zweite Überraschung ist der Feueralarm, der plötzlich losgeht. Die Frau an der Rezeption bleibt jedoch ganz locker: Ein Fehlalarm, passiere hier häufiger, und außerdem seien wir sowieso in einem anderen Gebäude, so dass das Feuer nicht überspringen könne, meint sie augenzwinkernd. Tatsächlich - als wir unseren Check-In abgeschlossen haben, ist auch der Fehlalarm gelöscht (es bleibt der erste und letzte während unseres Aufenthalts in Visalia). Das Zimmer ist gut ausgestattet, das Telefon hat einen Dataport, die Verbindung mit Earthlink funktioniert: Wir sind zufrieden. Zum Abendessen gibt's große Burger im hoteleigenen Restaurant.

16.08.2000 | 18.08.2000 >

© 2000 Matthias Book (Text), Nils Grunwald (Fotos)